Engagementshooting in Hachenburg | Lilia & John

Ein Engagementshooting | Hochzeitsfotograf Hachenburg

„Ach Sie sind das hübsche Gesicht zu dieser Bestellung! Hach, dass es heutzutage noch so einen Gentleman gibt!“ strahlte die Floristin Lilia an. „Können Sie mir sagen, wer der Gentleman ist?“ nutzte Lilia die Chance, die sich ihr bot. „Nein, nein, das darf ich nicht!“ wehrte die Verkäuferin lächelnd ab und drückte Lilia die Rosen in die Hand „Genießen Sie es einfach!“

Lilia blickte die Rosen an. Zwei prächtige, große Rosen. Eine in pastellrosa, eine in cremeweiß.

Das ging nun schon seit Samstag so.

„Lilia, sieh mal was in deinem Briefkasten steckte!“ rief ihre WG-Mitbewohnerin, als sie zur Tür hereinkam und Lilia eine ziemlich zerdrückte Rose entgegenhielt. Es war eine Karte dabei, dessen Botschaft in Kombination mit der Rose die ganze Sache merkwürdiger erschienen ließ, als sie ohnehinschon war. „Hallo Lilli, ich wünsche dir einen schönen Tag“. „Lilli“ – so nennt Lilia keiner außer ihrer Familie und von irgendwem aus der Familie konnte die Rose doch nicht sein, oder doch? Die ganze Sache kam ihr suspekt vor. Die Stirn in Falten gelegt zückte sie ihr Handy und hakte in der Familiengruppe nach, vom wem die Überraschung mit der Rose sei. Zu ihrem immer größer werdenden Erstaunen wusste allerdings keiner aus ihrer Familie etwas von der Blumenpost.

Das war am Samstag. Am Sonntag gab es keine Blumen, stattdessen kam am Montagmorgen ein Anruf aus dem Blumenfachhandel: der Blumenbote könne die Adresse für die Lieferung nicht finden. „Wem habt ihr bitte meine Nummer und Adresse weitergegeben??“ tippte Lilia verärgert in die Whatsapp-Familiengruppe. Schließlich fand der Blumenbote das Haus zur Hausnummer und überreichte Lilia die zweite Rose persönlich.

Am Abend des selbigen Tages entdeckte sie in ihrem Briefkasten eine Karte von dem mysteriösen Blumenversender. „Hi Lilli, ich hoffe du bist nicht sauer auf mich, dass ich deine Nummer weitergegeben habe. Es war nötig, weil der Lieferant deine Adresse nicht finden konnte. Ich möchte mich dafür entschuldigen.“ Verdutzt starrte sie die Karte an. Wie war das möglich? „Heute Morgen erst habe ich mich darüber beschwert und abends liegt dafür schon eine Entschuldigung in meinem Postkasten?“ Ihre Neugier wuchs und die Familie wurde erneut mit Fragen gelöchert.

Dienstag gab es keine Rosen, aber nur deshalb, weil Lilia den ganzen Tag über nicht zu Hause gewesen war. Am Mittwoch kam dann ein weiterer Anruf aus dem Blumenladen: “Hallo, leider konnten wir gestern eine an Sie ausgeschriebene Lieferung nicht überbringen. Bitte holen Sie die Lieferung bei uns ab.“ Gesagt, getan.

Und da stand sie nun, in dem Blumenladen, in dem ein ihr unbekannter Gentleman ein Rosenabonnement für sie abgeschlossen hat. Ihr gegenüber stand die fröhlich grinsende Kassiererin, in ihren Händen die weiteren, edlen Rosen. „Danke!“ Lilia lächelte die Verkäuferin etwas verlegen an, verabschiedete sich und verließ den Laden. Die Gedanken in ihrem Kopf überschlugen sich. Im Ausschlussverfahren ging sie sämtliche in Frage kommende Männerbekanntschaften durch, löcherte ihre Familie wie in einem Kreuzverhör mit Fragen. Endlich gelang ihr ein Durchbruch. Ihr Schwager Johannes gab ihr einen Wink: ja, er wisse, wer hinter den Rosen stecke und nein, der mysteriöse Gentleman komme nicht aus Bielefeld. Ein Gefühl des Triumphes stieg in ihr auf: sie hat es doch gewusst! Ihre Familie steckt also doch dahinter! Doch das Gefühl des Triumphes wich schnell der Ratlosigkeit, denn wenn es keiner aus Bielefeld war, dann schieden jetzt alle möglichen Männer, die sie im Sinn hatte, aus. „Oder könnte es vielleicht…“ ein Gedanke blitzte auf.

Sie erinnerte sich an ihre erste Begegnung. Ihre Schwester hatte Geburtstag. Zu diesem Anlass versammelte sich die ganze Familie im Haus ihrer Eltern. Dimi, der Mann ihrer Schwester, befand sich zu dem Zeitpunkt auf dem Heimweg aus Holland, wo er einige Tage mit einem guten Freund, John, verbracht hatte. Die Familie genoss einen warmen Sommerabend auf der Terrasse, der Grill war noch warm, die Stimmung war heiter. Mitten in diese Szenerie hinein betrat Dimi die Terrasse, gefolgt von seinem Reisebegleiter, der mit seinem Hut und der Jacke ziemlich gut aussah, wie Lilia bemerkte. Müde von der Reise freuten sich die beiden über das Festessen und langten zu. So verbrachte John den Abend mit Lilias Familie. Ihre Blicke streiften sich einige Male, sie unterhielten sich kurz. Könnte es vielleicht John sein? Ihr Herz machte einen Satz.

Donnerstag. Lilia steckte mitten im Backrausch, eine Freundin würde am Samstag heiraten und Lilia war für die Hochzeitstorte verantwortlich. Für die Hochzeit würde sie über das Wochenende zu ihren Eltern fahren, teilte Lilia per Whats App ihrer Schwester mit, mit der sie an diesem Morgen im regen Austausch aller Neuigkeiten stand. Eine kurze Weile nachdem sie ihre Unterhaltung beendet hatten, sendete ihr ihre Schwester den gesamten Chatverlauf ihres vorherigen Gesprächs zu – die Hitze einer fröhlichen Ahnung schoss durch Lilias Körper: alle Hinweise, die sie bisher sorgfältig sammeln und kombinieren konnte, wurden innerhalb von Sekunden wie Puzzleteile zu einem Ganzen zusammengefügt. Ihre Schwester konnte sich nicht mehr rausreden, sie war die Informantin, das lag auf der Hand und alle Bemühungen, Lilia nicht noch mehr zu verraten, führten nur dazu, dass Lilia sich nun ganz sicher war, dass es sich hierbei tatsächlich nur um den Freund von Dimi handeln konnte.

Am selben Abend erhielt sie schließlich eine Whatsapp Nachricht von ihrem mysteriösen Gentleman persönlich. Er lud sie zum Frühstück ein, den Ort durfte sie  auswählen. Es war kein Profilbild dabei, als Verfasser der Nachricht unterzeichnete er ganz der Romantik verschrieben „dein Rosenkavalier“.

Am Montagmorgen war es soweit. Lilia steuerte schnellen Schrittes zielstrebig auf den Ort der Verabredung zu. In ihrem Kopf wirbelten die Gedanken nur so herum, sie spürte die Spannung im ganzen Körper. Würde sie mit ihrer Vermutung Recht behalten? Da erblickte sie ihren Rosenkavalier: es war tatsächlich John. Er lächelte sie verschmitzt an, sie lächelte zurück und spürte ihr eigenes Grinsen in jeder Faser ihres Gesichts.

Aus einem Frühstück wurde ein Brunch, aus einem aufregenden Morgen ein angenehm redseliger Nachmittag. Beim Abschied war beiden klar: sie wollten sich so schnell es geht wiedersehen. Es folgten mehrere Dates und schon bald gestanden sie sich ihre Gefühle.

Reiselustig wie beide sind unternahmen sie in kürzester Zeit sämtliche Städtereisen.

Die Reise nach Dubai im Dezember sollte dabei eine ganz besondere Rolle spielen. Beide haben im Dezember wenige Tage nacheinander Geburstag, also feierten sie sich dort gegenseitig. Zudem lernte Lilia in Dubai Johns Eltern kennen, die extra aus Ägypten nach Dubai anreisten, um dort ihren Sohn zu treffen. Da John vor einigen Jahren aus Ägypten geflohen war, konnte er mit Lilia nicht zu seinen Eltern reisen, also wählten sie Dubai als Treffpunkt.

Doch das Highlight ihrer Dubai Reise bildete etwas anderes. An einem Abend führte John Lilia einen roten Teppich entlang in ein weißes Zelt am Strand, von dem aus man einen herrlichen Ausblick auf die flackernden Abendlichter der Skyline hatte. In der Mitte des Zeltes stand ein mit roten Rosenblättern dekorierter Tisch. Es war perfekt. Der Ausblick, die Rosen, der Augenblick: der Rosenkavalier ging vor seiner Lilia auf die Knie, in seiner Hand hielt er ihr eine kleine Schachtel mit einem feinen, goldenen Ring entgegen. Zu ihr aufblickend, stellte er ihr die Frage aller Fragen. Lilia strahlte ihn mit ihren großen Augen an, in die er sich verliebt hatte, biegte sich vor Freude vor, lachte auf und fiel ihm um den Hals.

2018-02-23T15:43:25+00:00

2 Comments

  1. Veronika 2. November 2017 um 20:51 Uhr - Antworten

    Einfach nur wunderschön

  2. Anneliesw 4. November 2017 um 12:58 Uhr - Antworten

    So eine schöne Geschichte!😍 Ich wünsche den beiden Turteltauben alles Gute!

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